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Liebe Freundin, lieber Freund,
In der Neuzeit hat es viele Diskussionen über die Authentizität der Bibel gegeben. Auf unseren Hochschulen und Universitäten wurde die materielle Wissenschaft gelehrt. Dabei ist in den Köpfen wißbegieriger Studenten die Frage nach gewisser Wechselbeziehung zwischen orthodoxer Bibellehre und den Entdeckungen der Wissenschaft aufgekommen. Der gelegentliche Beobachter kann keine befriedigende Angleichung feststellen, für den scharfsinnigen Studenten jedoch besteht die Möglichkeit einer logischen Wechselbeziehung zwischen den Erkenntnissen der Wissenschaft und der Heiligen Schrift. Diese Serie von Bibellektionen zeigt einen solchen Zusammenhang auf.
Die Lektionen sind zusammengetragen worden aus Schriften Max Heindels, eines geübten Hellsehers und Forschers der unsichtbaren Welten. Er beanspruchte nicht die ganze Wahrheit über die behandelten Themen zu vermitteln, darauf verweisend, daß es, wie allgemein anerkannt, sieben gültige Deutungen für jede universelle Wahrheit gibt. Er bot einfach gewisse Erklärungen und Interpretationen an, die einer logischen Prüfung und unvoreingenommenen Nachforschung standhalten, und die sowohl eine Grundlage für ein klareres Verständnis und tieferen Sinn der Bibel bieten. Wir freuen uns, sie der Öffentlichkeit vorstellen zu können und meinen, daß sie den dringlichen Erfordernissen genügen, sowie die Kluft zwischen Wissenschaft und Religion überbrücken.
Der Kurs umfaßt 28 Lektionen. Sie werden nicht verkauft bzw. für Geld angeboten; sie werden lediglich als Korrespondenz-Kurs auf Basis freiwilliger Zuwendung ausgegeben und können von jedem beansprucht werden, der darum ersucht. Ein Exemplar der Bibel zum Nachschlagen ist erforderlich. Wir empfehlen dem Schüler, maschinengeschrieben zu antworten. Die Lektionen in Verbindung mit den angegebenen Hinweisen und Anmerkungen sollten mehrmals gründlich gelesen werden, zumal ein genaues Studium und eine Meditation über die geistigen Wahrheiten ein inneres Verständnis, eine Enthüllung bewirkt, das vom Lesen des Textes allein nicht erlangt werden kann.
Vieles des die Lektionen umfassenden Stoffes mag für den nachdenklichen Schüler eine Herausforderung bedeuten, und wir wollen zu persönlichen Untersuchungen und Nachforschungen ermutigen. Es ist jedoch nicht unsere Absicht, unsere persönlichen Interpretationen des diese Lektionen umfassenden Inhalts zu geben. Wir hoffen, daß der Schüler seine Arbeit auf den Kurs, ganz auf die Thematik der Lektionen beschränkt.
Wir sind der zuversichtlichen Hoffnung, daß dieser Kurs Ihnen viel innere Freude und Erleuchtung bringt. Mit unseren herzlichen, guten Wünschen verbleiben wir im Suchen nach Wahrheit
Ihre THE ROSICRUCIAN FELLOWSHIP
"Die Bibel wurde der Westlichen Welt durch die Berichterstattenden Engel gegeben, die jedem und allen genau das geben, was sie für ihre Entwicklung bedürfen." -Max Heindel
HINWEISE: Genesis 16, 17, 18, 21; 1. Kor. 3, 1-3 Gal. 4, 22-26
Es gab eine Zeit - sogar in einer so späten Epoche wie der griechischen - in der Religion, Kunst und Wissenschaft vereint in den Mysterientempeln gelehrt wurden. Aber zur besseren Entwicklung jeder einzelnen war es notwendig, sie zeitweilig zu trennen.
Im sogenannten "finsteren Zeitalter" hatte die Religion die Alleinherrschaft. Während dieser Zeit fesselte sie sowohl die Kunst als auch die Wissenschaft an Händen und Füßen. Dann kam die Periode der Renaissance und die Kunst kam in allen ihren Zweigen zu Einfluß. Die Religion war aber noch sehr stark und nur zu oft wurde die Freiheit der Kunst zum ausschließlichen Dienst der Religion eingeschränkt. Zuletzt kam die Woge der modernen Wissenschaft und unterwarf die Religion mit eiserner Hand.
Es war ein Schaden für die Welt als die Religion der Wissenschaft Fesseln anlegte. Unwissenheit und Aberglaube verursachten unsagbares Leid; dennoch pflegte die Menschheit damals hochgesteckte geistige Ideale und hoffte auf ein höheres und besseres Leben. Es konnte deshalb ein Zustand von Agnostizismus und Materialismus nicht andauern. Reaktion mußte eintreten, wenn dem nicht so wäre, würde Anarchie das Weltall sprengen. Um eine solche Katastrophe abzuwenden, müssen sich Religion, Kunst und Wissenschaft in einem höheren Ausdruck des Guten, Wahren und Schönen vereinigen, als dies vor der Trennung erreicht worden war.
Eine spirituelle Religion kann sich jedoch nicht mit einer materiellen Wissenschaft harmonisch verschmelzen, ebenso wenigwie sich Öl mit Wasser verbinden kann. Deshalb muß die Wissenschaft vergeistigt und die Religion wissenschaftlich gestaltet werden.
Um die Bibel vernunftgemäß zu studieren, ist es erforderlich, daß man sich ihr aufgeschlossen nähert. Starre vorgefaßte Meinungen über die Bibel in ihren allgemein anerkannten Übersetzungen als das einzig wahre und inspirierte Wort Gottes, unfehlbar usw. zu sein, sind wie Wolken, die gleich von Anfang an wahre Erleuchtung trüben, die von einem sorgfältigen, unvoreingenommenen Studium kommen kann. Es sind jedoch hinter den Einfügungen, falschen Übersetzungen usw. Perlen der Wahrheit verborgen, nach denen zu suchen es für jeden gewissenhaften Studierenden über Leben und Dasein Pflicht ist. Und wenn bestimmte wichtige Tatsachen während des Studiums bedacht werden, so wird neues Licht und Verständnis die Belohnung sein.
In erster Linie wollen wir uns daran erinnern, daß die Wörter der hebräischen Sprache, insbesondere die des alten Stils ineinanderfließen und nicht getrennt sind, wie die in unserer Sprache. Hinzu kommt, daß man die Vokale beim Schreiben auszulassen pflegte, sodaß beim Lesen sehr viel davon abhängt, wo und wie sie eingeschaltet werden. Man sieht, wie groß die zu überwindenden Schwierigkeiten sind, den ursprünglichen Sinn festzustellen. Eine kleine Abweichung kann den Sinn fast jeden Satzes ändern.
Außer diesen großen Schwierigkeiten müssen wir noch bedenken, daß von den 47 Übersetzern der King James Lesart (die in England und Amerika am gebräuchlichsten ist) nur drei hebräische Gelehrte waren. Von diesen drei starben zwei, bevor die Psalmen übersetzt waren. Wir müssen weiter noch in Betracht ziehen, daß der Vertrag der zur Übersetzung autorisierte, den Übersetzern jegliche Verkündigung untersagte, die stark von dem bereits bestehenden Glauben abwich oder dazu führen würde, ihn zu stören. Es ist daher klar, daß die Chancen, eine genaue Übersetzung zu erhalten, in der Tat sehr gering waren.
Auch in Deutschland waren die Bedingungen nicht viel günstiger; denn hier war Martin Luther der erste Übersetzer, und selbst er übersetzte nicht aus dem ursprünglichen hebräischen, sondern in erster Linie aus dem lateinischen Text. Die meisten Lesarten, die in protestantischen Ländern des Festlandes benutzt werden, sind einfache Übersetzungen der lutherischen in verschiedenen Sprachen.
Es ist wahr, daß Revisionen stattgefunden haben. Sie haben aber keine wesentlichen Verbesserungen des Inhalts gebracht. In Nordamerika gibt es außerdem eine große Anzahl von Menschen, die behaupten, daß der englische Text der King James Lesart von der ersten bis zur letzten Seite absolut richtig sei, als ob die Bibel ursprünglich in Englisch geschrieben worden und die King James Lesart eine beglaubigte Kopie des Originalmanuskripts wäre. So sind die alten Fehler, trotz der Anstrengungen, sie auszumerzen, noch vorhanden. Man muß noch bemerken, daß die ursprünglichen Verfasser der Bibel nicht die Absicht hatten, die Wahrheit in solch leichtverständlicher Form bekanntzugeben, daß jeder, der sich bemüht, sie deuten könne. Nichts lag ihnen ferner, als ein offenes Buch Gottes zu schreiben. Die großen Propheten, die den Zohar +) schrieben, sind gerade in diesem Punkt sehr deitlich. Die Geheimnisse der Thora sollten nicht von allen verstanden werden, wie das folgende Zitat zeigen wird:
"Weh dem Menschen, der in der Thora (dem Gesetz) nur einfache Berichte und gewöhnliche Worte sieht, denn wenn sie in Wahrheit nur solche enthielte, so könnten wir heute eine Thora zusammensetzen, die bewundernswerter wäre. Aber so ist es nicht. Jedes Wort der Thora enthält eine erhabene Bedeutung und ein großes Mysterium... Die Berichte der Thora sind das Gewand. Wehe dem, der das Gewand der Thora für die Thora selbst hält... Die Einfältigen bemerken nur die Gewänder und Berichte der Thora allein. Sie kennen nichts anderes. Sie sehen nicht, was sich unter dem Gewand verbirgt. Die besser geschulten Menschen beachten nicht die Kleidung, sondern den Körper, den sie einhüllt."
In diesen Worten wird die allegorische Bedeutung offenkundig angedeutet. Auch Paulus sagt unzweideutig, daß die Geschichte von Abraham und den zwei Söhnen, die er von Sara und Hegar hatte, rein allegorisch sei (Gal.4, 22-26). Viele Schriftstellen sind verschleiert, andere sind wörtlich zu nehmen. So wie in einem mit Kartoffeln bestellten Feld nicht nur diese vorhanden sind, sondern auch der Boden, der sie verbirgt, so sind in der Bibel die Perlen okkulter Wahrheit verborgen und oft in häßlichen Gewändern. Der Okkultist, der reif ist, diese Perlen zu besitzen, hat den Schlüssel empfangen und sieht sie klar; anderen bleiben sie dunkel, bis auch sie sich zu diesem Schlüssel emporgearbeitet haben. Während so die Geschichte von der Wanderung der Kinder Israels und des Umganges eines gewissen Gottes mit ihnen teilweise wahr ist, hat sie auch eine geistige Bedeutung, die weit wichtiger ist, als die äußeren Ereignisse. Wenn auch die Evangelien die großen Umrisse des Lebens einer Persönlichkeit namens Jesus enthalten, so sind sie doch verborgene Formeln der Einweihung und zeigen, durch welche Erfahrungen zuletzt jeder hindurchgehen muß auf dem Weg zur Wahrheit und zum Leben.
Die Verschwiegenheit inbezug auf diese verborgenen Dinge und der ständige Gebrauch von Allegorien, wo die Masse des Volkes mit den okkulten Wahrheiten in Berührung zu kommen erlaubt war, wird ebenfalls aus der von Christus geübten Praxis offenkundig, der zur Menschenmenge immer in Gleichnissen sprach. Später erläuterte Er seinen Jüngern den tieferen Sinn. Bei verschiedenen Gelegenheiten auferlegte Er ihnen Geheimhaltungspflicht für die Lehren, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren.
Auch die Methode des Paulus stimmt damit überein; denn er gibt "Milch" oder die elementaren Lehren den "Säuglingen" im Glauben und bewahrt das "Fleisch" oder die tieferen Lehren für die Starken auf, für die, die sich als geeignet zum Verständnis und zur Aufnahme erwiesen hatten (1 Kor. 3, 1-3).
Die jüdische Bibel war ursprünglich hebräisch geschrieben. Wir besitzen jedoch nicht eine einzige Zeile der ursprünglichen Schriften. Um 280 v.Chr. entstand die Septuaginta, eine Übersetzung ins Griechische. Schon zur Zeit des Christus herrschte die größte Verwirrung und Meinungsverschiedenheit darüber, was als Urtext galt und was durch Einschiebungen geändert worden war.
Erst nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft begannen die Schreiber die einzelnen Schriften zusammenzufassen, und der Talmud erschien erst um 500 A.D. Er lieferte den ersten Text, der dem gegenwärtigen ähnelt. Angesichts der vorerwähnenten Tatsachen kann er nicht vollkommen sein.
Der Talmud wurde dann von der Masoretenschule in die Hand genommen, die sich von 590 bis ungefähr 800 A.D. hauptsächlich in Tiberias befand. Durch große und mühevolle Arbeit wurde ein hebräisches, altes Testament hervorgebracht, das dem Original unserer Zeit am nächsten kommt.
Wenngleich wir nicht für die Göttlichkeit der Bibel kämpfen, oder behaupten können, daß sie von der ersten bis zur letzten Seite das Wort Gottes sei, erkennen wir die Tatsache an, daß sie eine mangelhafte Übersetzung des Originals ist, und daß viele Einschiebungen zu verschiedenen Zeiten vorgenommen worden sind, um verschiedene Ideen zu stützen. Nichtsdestoweniger ist die bloße Tatsache, daß so viel Wahrheit in einem so kleinen Raum zusammengefaßt werden konnte, eine Quelle ständiger Verwunderung für den Okkultisten, der es weiß, was dieses Buch wirklich ist, und der den Schlüssel zu seinem Sinn besitzt. Wir wollen uns daran erinnern, daß die Wahrheit vielseitig und ewig ist und das Streben nach Wahrheit muß daher allumfassend sein und darf niemals enden.
Wir können die Wahrheit mit einem Berg vergleichen und die mannigfachen Deutungen der Wahrheit mit verschiedenen Pfaden, die auf den Gipfel hinaufführen. Viele Menschen wandern auf diesen Pfaden und jeder, solange er am Fuße des Berges ist, hält seinen Pfad für den einzigen. Er sieht nur einen kleinen Teil des Berges. Da mag es gerechtfertigt erscheinen, wenn er seinen Brüdern zuruft: "Du gehst falsch, komm auf meinen Weg herüber, er ist der einzige, der zum Gipfel führt." Da aber all diese Menschen sich aufwärts weiterentwickeln, werden sie sehen, daß die Pfade sich oben einander nähern, und daß zuletzt alle zusammenfließen.
Es kann nicht nachdrücklich genug betont werden, daß kein Gedankengebäude, das je imstande war, die Aufmerksamkeit einer großen Anzahl von Menschen für eine beachtliche Zeit auf sich zu lenken und festzuhalten ohne innere Wahrheit gewesen sei. Und ob wir es bemerken oder nicht, in jeder Sekte steckt ein Kern göttlicher Lehren, welche die Menschen allmählich höher führt, dem Gipfel des Berges zu. Darum sollten wir jeder Glaubensrichtung mit größter Duldsamkeit begegnen.
Anmerkung: +) Zohar = ein jüdisches kabbalistisches Buch, eingeführt in Spanien im 13. Jahrhundert durch den kabbalistischen Schriftsteller Moses de Leon, der es Simon ben Yohai zuschrieb, einem jüdischen Lehrer aus dem zweiten Jahrhundert. In der Form eines Kommentars zu den fünf Büchern Mose enthält es eine vollständige kabbalistische Theosophie, die von Gott, der Kosmogenie und Kosmologie des Weltalls, der Seele, der Sünde, der Erlösung usw. handelt. Sein Inhalt besagt, daß er das Werk vieler Autoren, Perioden und Zivilisationen ist.
  [Bitte beachten Sie: Wenn Sie es vorziehen, offline zu arbeiten, koennen Sie Ihre Antworten und/oder Kommentare auch per E-mail an uns senden. Bitte denken Sie daran, Ihre E-mail Adresse, Ihren vollen Namen, Ihren Identifikations-Code, die Bezeichnung des Kurses und die Nummer der Lektion in Ihrem E-Mail anzugeben.]
Bitte studieren Sie die vorangehende Lektion sorgfaeltig; beantworten Sie dann, ohne auf den Text zurueckzugreifen, die folgenden Fragen vollstaendig, aber knapp und senden Sie diese Antworten an uns. Nachdem wir diese erhalten haben, werden wir Ihnen die naechsten Lektionen zusenden.
1] Was ist wesentlich für ein vernunftgemäßes Bibelstudium?
2] Welche Besonderheiten der Wörter der hebräischen Sprache erschweren eine korrekte Ausdeutung?
3] Für wen war die ursprüngliche Bibel geschrieben?
4] Schildere die Umstände, wie die King James Übersetzung zustande kam?
5] Welche doppelten Aufgaben erfüllen die Evangelien?
6] Was müssen wir bei der Suche nach Wahrheit besonders bedenken?
7] Erläutere, warum wir gegenüber allen Religionen tolerant sein müssen?
Anmerkung: Bitte versaeumen Sie nicht, die Abschnitte, in denen Sie die Antworten zu diesen Fragen finden, wiederholt zu lesen. Nachdem Sie das betreffende Thema sorgfaeltig studiert haben, versuchen Sie, Ihre Antwort so gut als moeglich zusammenzufassen, indem Sie die grundlegenden Punkte beruecksichtigen.